Zugfahren in Indien: Buchung und Tipps für deine Fahrt (Teil 2)

Zugfahren Indien Jaisalmer

Indien erkundet man am besten mit dem Zug. Warum und vieles mehr findest du im ersten Teil meines Zugfahren in Indien Guides. Aber das ist noch längst nicht alles, darum gibts hier alle Infos zur Buchung sowie Tipps für deine Fahrt.

Zugfahren in Indien: Online Buchung

Also: wie kommst du nun überhaupt an ein Ticket? Buchen kannst du über meine Lieblingsingsapp trainman leider nicht. Stattdessen kannst du dein Ticket entweder online oder vor Ort buchen. Für die Online-Buchung steht dir die offizielle Seite der indischen Bahn zur Verfügung. Um es direkt vorwegzunehmen: Alles rund um die Buchung auf dieser Seite ist ziemlich chaotisch indisch. Diverse andere Websites haben dieses Potenzial erkannt und ermöglichen dir die Buchung mit Aufschlag einer kleinen Provision. Das Problem: Du musst dir trotzdem einen Account bei IRCTC anlegen. Und wenn du das einmal überstanden hast, dann sind die Buchungen selbst nur noch ein kleineres Übel. Seit April 2018 kannst du auch über 12go.asia* Tickets buchen, und zwar ohne dir einen gesonderten Account bei IRCTC anzulegen. Ob und wie gut das jedoch funktioniert, kann ich dir nicht sagen, da ich bereits Ende 2017 in Indien unterwegs war.

Falls du direkt bei IRCTC buchen willst, brauchst du zuerst einen Account. Dafür brauchst du einige Daten, die unbedingt mit deinem Reisepass übereinstimmen sollten. Eine der wichtigsten Angaben ist die ISD-Mobile, also eine Handynummer, auf die du für die Buchung sowie zur Bestätigung deines Accounts One-Time-Passwords (OTPs) erhältst. Um online auf die Foreign Tourist Quota zugreifen zu können, musst du dafür eine ausländische Nummer eintragen. Trotz zahlreicher Versuche hat das bei mir nicht geklappt, das Formular hat lediglich eine Ländervorwahl ohne “+” und ohne “00” am Anfang angenommen. Aber eine derartig formatierte Handynummer empfängt natürlich nichts. Stattdessen habe ich gewartet, bis wir in Indien waren und eine lokale Sim Karte hatten. Damit konnte ich alle Daten eintragen und anschließend meine Identität mit einem OTP sowie einem Maillink bestätigen.

Wenn du diese Hürde genommen hast, kannst du dich hier anmelden und im linken Feld nach der Verbindung, die du dir auf trainman herausgesucht hast, suchen. Gib dabei exakt die Stationen ein, die du auf der App siehst. Dir werden anschließend alle Zügen zwischen diesen sowie nahegelegenen Stationen angezeigt. Achte darauf, die Zugnummer auszuwählen, die du tatsächlich auch buchen willst. Am rechten Ende der Tabelle kannst du die Klasse auswählen, in der du fahren möchtest. Hast du das mit einem Klick getan, werden dir in der ersten Tabelle auf einer neuen Seite die Verfügbarkeiten für den von dir ausgewählten Zug, in der von dir ausgewählten Klasse, an fünf Tagen ab dem von dir ausgewählten Datum angezeigt. In der Tabelle darunter siehst du den Preis deiner Verbindung. Mit einem Klick auf “Book now” am von dir gewünschten Datum, kommst du auf die nächste Seite. Auf dieser musst du die persönlichen Daten aller Reisenden in deiner Gruppe sowie deinen Platzwunsch (Upper, Lower oder Middle Berth) auswählen. Auf der nächsten Seite kannst du nun dein Zahlungsmittel auswählen. Da du wahrscheinlich nicht im Besitz eines indischen Kontos bist, musst du dafür Atom PG (International Card) auswählen. Mit diesem Zahlungsmittel ist eine Buchung nur bis zwei Tage vor Abfahrt möglich.

Zugfahren Indien Buchung

Du wirst anschließend auf eine Seite weitergeleitet, auf der du deine Zahlungsdaten eingeben musst. In 50 % der Fälle wird deine Buchung hier scheitern. Egal, mit welcher Kreditkarte du zahlst, ob deine Bank grundsätzlich Zahlungen in Indien freigegeben hat, wie stark dein Limit ausgelastet ist: sehr oft funktioniert deine Kreditkarte nicht. Da ist es ziemlich praktisch, wenn du mehrere Kreditkarten dabei hast. Irgendeine hat bei uns dann am Ende immer funktioniert. Versuche auch, deine Cookies und deinen Cache zu leeren, die Buchung nochmal von vorne zu beginnen oder probiere es einfach am nächsten Tag noch einmal. Irgendwann hast du bestimmt Glück. Wenn deine Buchung dann bezahlt ist, bekommst du eine Buchungsbestätigung als SMS auf dein Handy. Darin enthalten ist deine PNR, mit der du, falls du einen Wartelistenplatz gebucht hast, deinen Status am Abreisetag überprüfen kannst. Im Zug selbst reicht es, wenn du die SMS Bestätigung gemeinsam mit deinem Reisepass vorzeigst, die Schaffner haben eine Platzliste, die all deine Details enthält. Du kannst übrigens maximal sechs verschiedene Verbindungen pro Monat online buchen.

Zugfahren in Indien: Buchung am Bahnhof

Falls du online kein Glück hattest, auf die Foreign Tourist Quota zugreifen willst, oder sowieso gerade an einem Bahnhof bist, kannst du auch direkt vor Ort deine Tickets kaufen. Dafür musst du das Buchungsbüro am jeweiligen Bahnhof ausfindig machen. Allein das kann einem kleinen Spießrutenlauf gleichen. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit werden dir verkaufsfreudige Inder weismachen wollen, wo du das günstigste Ticket bekommen kannst. In 90 % der Fälle wird es sich dabei nicht um das offizielle Buchungsbüro handeln und du auch kein günstiges Ticket bekommen. Achte auf Wegweiser, frage beim Personal und versuche dabei zielstrebig auszusehen. Wenn du im Buchungsbüro der indischen Bahn angekommen bist, schnappst du dir eine Wartenummer und ein Buchungsformular. In das Formular musst du die exakte Zugnummer, die du buchen willst sowie alle deine persönlichen Daten eintragen. Wenn du damit fertig bist, achte darauf, ob deine Nummer erscheint oder nutze die Chance, wenn niemand anderes zu einer aufgerufenen Nummer erscheint. Es kann sein, dass du eine Kopie deines Reisepasses brauchst und die Tickets ausschließlich bar bezahlen kannst (in Kolkata erlebt). Es kann aber auch sein, dass es reicht, deinen Reisepass vorzuzeigen und du mit Kreditkarte zahlen kannst (in Delhi erlebt). Aber du wärst ja auch nicht in Indien, wenn du das vorher genau wüsstest.

Natürlich kannst du auch einfach einen Travel Agent beauftragen, sich um dein Ticket zu kümmern. Der schlägt für seine Arbeit eine Provision auf den Ticketpreis auf, dafür bist du aber jeden Stress los. Da wir furchtlos jeder einzelnen Zugbuchung selbst entgegen getreten sind, kann ich dir hier keine Tipps verraten.

Zugfahren in Indien: Tipps für die Fahrt

So findest du deinen Platz

Du hast nun also ein Ticket und eine gültige Sitzplatzreservierung. Indische Züge halten manchmal gefühlte Stunden an einzelnen Bahnhöfen. Manchmal aber auch gerade lang genug, um in den schon wieder anfahrenden Zug zu hüpfen. Du solltest daher früh genug am Bahnhof ankommen, um deine richtige Position am Gleis zu finden. Das Gleis, ab dem dein Zug fährt, wird theoretisch eine halbe Stunde vor Abfahrt an den Tafeln im Bahnhof (unter der Zugnummer, nicht dem Zielort) angegeben. Manchmal klappt das aber nicht. In diesen Fällen sind wir mit dem Angaben bei trainman, die du unter Angabe deiner Zugnummer unter “Train Route” findest, immer gut angekommen. Am Gleis wird die Position der einzelnen Wagons an elektronischen Tafeln angegeben. Nicht alle indischen Bahnhöfe sind jedoch mit diesen Tafeln ausgestattet. Willst du trotzdem zumindest grob an der richtigen Stelle warten, dann kannst du die Wagen Position bei trainman unter Angabe der Zugnummer nachvollziehen. Falls du dich wunderst, warum man sich so penibel um den richtigen Warteplatz kümmern sollte: Indische Züge sind lang. Und zwar sehr lang. Auch als Sprintweltmeister wirst du es bei einem kürzeren Halt nicht schaffen, von einem Ende des Zuges ans andere zu laufen. Wenn du übrigens überhaupt nicht weißt, wo dein Abteil halten soll, dann ist irgendwo in der Mitte des Gleises deine Chance am größten, das richtige Abteil zu entdecken und während der Haltezeit zu erreichen.

Verpflegung im Zug

Indien ist einfach riesig groß, und fast jede einzelne Zugfahrt zog sich bei uns über mindestens fünf bis 20 Stunden hin. Und irgendwann auf diesen Fahrten sind wir immer hungrig geworden. Obwohl das natürlich auch daran liegen kann, dass ganz oft Menschen mit dem leckersten indischen Essen aller Zeiten vorbei kommen. Wenn du während einer der Hauptmahlzeiten unterwegs bist, dann kannst du dir (meistens) direkt beim Ticketkontrolleur ein Essen bestellen. Meistens handelt es sich abends um Thalis (immer vegetarisch wählen) und morgens um Dhal (vegetarisch) oder Omelett (nicht vegetarisch nach indischen Regeln). Für einen typisch indischen günstigen Preis bekommst du hier mehr, als dein Magen vertragen kann. Wir haben uns daher immer ein Thali zu Zweit geteilt, das hat definitiv ausgereicht.

Aber auch zwischen den Mahlzeiten muss dir essentechnisch nicht langweilig werden. Immer wieder kommen Chai-Verkäufer vorbei und da Chai nirgends auf der Welt so gut schmeckt wie in Indien ist es natürlich deine Reisepflicht so viel Chai wie möglich zu konsumieren. Da die Züge in den Bahnhöfen auch oft für längere Zeit halten, kannst du es auch riskieren, bei den fliegenden Händlern auf dem Bahnsteig zu kaufen. Lass den Zug aber nicht aus den Augen und mach dich sofort auf die Socken, wenn er anrollt. Auf einen fahrenden Zug aufspringen ist für Ungeübte nämlich nicht so leicht, wie es aussieht. Du siehst also: Essen mit in den Zug zu nehmen ist absolut unnötig, zieht Ungeziefer an und behindert dich in der Möglichkeit möglichst viele unterschiedliche indische Speisen zu probieren. Das einzige, das wir immer in rauen Mengen dabei hatten, war Trinkwasser. Das wird zwar auch oft im Zug verkauft, aber durstig in einem indischen Zug auf den nächsten fliegenden Händler zu warten (der in dem Moment ganz sicher nicht am nächsten oder übernächsten Stop in den Zug springt), kann doch ziemlich nervenzehrend sein.

Gepäck und Kleidung

Wenn du in Indien Zugfahren willst, dann solltest du so wenig Gepäck wie möglich dabei haben. Die Stauräume in den Zügen sind begrenzt und tendenziell bereits von indischen Großfamilien eingenommen, die (gefühlt) ihren kompletten Hausstand transportieren. Außerdem willst du dich ja auch nicht permanent davor fürchten, dass dein Rucksack an der nächsten Haltestelle den Zug verlässt, während du gerade schläfst. Wir waren daher mit dem Osprey Farpoint 40* sehr zufrieden. Mit mehr Gepäck wird es auf jeden Fall ziemlich nervig beim Zugfahren in Indien. Wenn wir im Zug geschlafen haben, hatten wir die Rucksäcke entweder direkt mit in unseren Betten, was bei der Bettlänge aber nicht die angenehmste Lösung ist. Oder wir haben unsere Rucksäcke mit unseren Schlössern* unter den untersten Betten befestigt. Wir haben uns weder unsicher gefühlt, noch ist uns etwas abhanden gekommen.

Zugfahren Indien Schlaf

Gerade, wenn du in einer AC Klasse fährst, solltest du das ein oder andere Tuch griffbereit haben. Abgesehen davon, dass du, gerade als Frau und gerade im Zug, deine Schultern und Knie bedecken solltest, wird es manchmal richtig kalt in den Wagons. Da saß ich irgendwann mit diversen Kleidungsschichten im Zug, weil die Klimaanlage auf arktische Temperaturen eingestellt war. Auf der anderen Seite kann es auch passieren, dass die Klimaanlage ausfällt oder dass die Einstellung für sehr warme Luft im Wagen sorgt. Ein flexibles Zwiebelsystem zahlt sich daher definitiv aus. Kleines Gepäck ist übrigens auch in diesem Punkt wertvoll: In einen kleineren Rucksack kannst du schnell mal Sachen ein- oder auspacken ohne das ganze Abteil aufzuscheuchen.

Toiletten im Zug

Wenn du stundenlang mit dem Zug unterwegs bist, wird sich deine Blase irgendwann wohl oder übel zu Wort melden. In den meisten Zügen und in den meisten AC-Klassen hast du die Wahl zwischen einer westlichen Toilette und einer Hocktoilette. Wenn du in einer Klasse ohne AC reist, steht dir wahrscheinlich nur eine Hocktoilette zur Verfügung. Grundsätzlich wird die Hygiene mit einer höheren Zugklasse besser, aber du wirst trotzdem so wenig wie möglich berühren wollen. Ich persönlich würde daher immer die Hocktoilette vorziehen, da dort deine Füße nur den Boden berühren. Toilettenpapier wird auf den westlichen Toiletten zur Verfügung gestellt, landet aber immer auf den Gleisen. Nicht gerade die umweltverträglichste Variante also. Falls du nicht weißt, wie du eine nicht-westliche Toilette (als Frau) benutzen sollst: Mit beiden Füßen auf die deutlich sichtbaren Marker treten, Kleidung so zusammenraffen, dass möglichst kein Teil den Boden berührt und dann – was für eine Überraschung – tief in die Hocken gehen. Kein Hexenwerk und deutlich hygienischer als zu versuchen, in einem fahrenden Zug über einem unsauberen Toilettendeckel zu balancieren, ohne ihn zu berühren.

Ankunft am Bahnhof

Behalte während deiner Fahrt immer die Zeit im Blick, Stationen werden beim Zugfahren in Indien nämlich nicht angesagt. Auch hier lohnt sich die Nutzung von trainman, da dir die App über “Train Running Status” deine aktuelle Verspätung anzeigt und welche Stationen bereits hinter dir liegen. Am besten behältst du immer mal im Blick, an welchen Stationen du hältst und bereitest dich kurz vor deinem Ankunftsort auf deine Ankunft vor. Da heißt, rechtzeitig dein Gepäck zusammensammeln, dir schonmal überlegen, in welcher Richtung deine Unterkunft liegt, wie viel ein TukTuk dahin ungefähr kosten sollte und am besten den Namen und die Adresse deiner Unterkunft auf deinem Handy griffbereit haben. Denn wie bereits bei der Abfahrt, weißt du nicht genau, wie lange der Zug im Bahnhof hält. Und wenn du nicht gerade an der Endstation aussteigst, kann es sein, dass die nächsten Passagiere bereits einsteigen, ohne dass du den Zug verlassen hast. Tritt auch hier selbstbewusst auf und lass dich nicht zurückdrängen.

Wenn du den Zug dann verlassen hast, werden wahrscheinlich direkt am Gleis Männer versuchen, dich von ihrem TukTuk zu überzeugen. Ignoriere sie einfach und gehe selbstbewusst und so direkt wie möglich zum Ausgang. Die meisten größeren Zugstationen in Indien haben außerhalb des Bahnhofsgebäudes einen Schalter, an dem du Taxis oder TukTuks zu Festpreisen buchen kannst. Gib dafür deine Adresse an und warte, welcher Fahrer dir zugeteilt wird. Eine meist noch günstigere Variante ist die App Ola. Darüber kannst du direkt deine Zieladresse eingeben, dir wird ein kalkulierter Preis genannt und ein Fahrer kann deine Fahrt annehmen. Anschließend wird dir der Standort deines Fahrer sowie sein Kennzeichen und sein Name mitgeteilt und du musst warten, bis er dich gefunden hat. Die Preise bei Ola sind extrem günstig, wie die Fahrer davon leben können, ist mindestens fragwürdig. Wir haben Ola daher nur genutzt, wenn wir keine Möglichkeit hatten, einen angemessenen Preis zu verhandeln bzw. wenn wir nicht von unserer Unterkunft abgeholt wurden.

So, jetzt solltest du bestens gerüstet sein fürs Zugfahren in Indien. Hast du noch weitere Fragen vor deiner Reise? Oder warst du schon in Indien und hast noch weitere Tipps fürs Zugfahren, die ich noch nicht mit aufgenommen habe?


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