Yogalehrer Ausbildung: eine körperliches, emotionales und persönliches Abenteuer

Yogalehrer Ausbildung Bali

Als in mir die Idee aufkam, meine Yogalehrer Ausbildung nun endlich einmal anzugehen, habe ich natürlich zuerst einmal eine ganze Menge Erfahrungsberichte gelesen. Das Internet ist ziemlich voll davon und alle sind sich auch in einer Sache einig: Eine Yogalehrer Intensivausbildung wird dein Leben verändern. Und auch wenn ich das unzählige Male gelesen habe, so ganz glauben konnte ich es natürlich nicht. Nach vier Wochen auf Bali sah meine Meinung dann ein kleines bisschen anders aus.

Yogalehrer Ausbildung: Ein körperliches Abenteuer

Eine der größten Unsicherheiten, die ich vor Beginn meiner Ausbildung hatte, war meine körperliche Verfassung. Insbesondere in den zwei Monaten vor Beginn des Trainings habe ich meine Yogapraxis noch einmal deutlich nach oben geschraubt und stand von Montag bis Freitag jeden Tag mindestens 60 Minuten im Yogastudio auf der Matte. Dazu kam meine Praxis zu Hause an den Wochenenden. Und trotzdem war ich weiterhin unfähig, Chatturangah Dandasana zu erreichen, geschweige denn zu halten. Die anstrengende Flow Klasse am Donnerstag brachte mich jedes Mal an meine Grenze. Und überhaupt, sagt Instagram nicht, dass Yogalehrerinnen muskulös sein müssen, einen Six-Pack haben und ihre Füße hinter ihre Ohren bringen können? Nichts davon konnte ich natürlich vorweisen. Stattdessen stand ich emotional ein paar Mal davor, das Training abzusagen. Die Aussicht auf eine zweistündige Klasse auf fortgeschrittenem Niveau am Morgen, gefolgt von zwei Stunden Asana-Training bei 30 Grad war dann doch ziemlich einschüchternd. Und hätte ich nicht einen Freund, der keine Sekunde an mir gezweifelt hat, wer weiß, ob ich diese Zeilen hier überhaupt schreiben würde.

Mit unstillbaren Zweifeln bin ich schließlich mitten in der Nacht in Bali angekommen, wo ich eine Woche Zeit hatte, mich an das Wetter zu gewöhnen, meinen Jetlag zu kurieren und neue Studios und Yogastile auszuprobieren. Kleiner geworden sind meine Zweifel dadurch nicht unbedingt. Dazu kamen noch die etwas fragwürdigen Yogaklassen, an denen ich vereinzelt teilgenommen habe. Zur Unsicherheit meinen eigenen Körper betreffend kam daher auch noch die Unsicherheit, ob ich hier in Bali überhaupt ein Training finden würde, das meinen Anforderungen gerecht würde.

Am 2. Juli standen wir dann um 07.30 Uhr am Morgen zum ersten Mal auf unseren Matten. Und schnell war klar: Hier braucht sich niemand verstecken, egal wie entspannt oder körperlich fordernd die eigenen Praxis üblicherweise ist. Gerade in den ersten Tagen konzentrierten wir uns in den Morgenstunden ganz besonders auf die Grundlagen, verbrachten am ersten Tag fast 45 Minuten in Tadasana. Und so, wie die morgendlichen Klassen immer und immer anspruchsvoller wurden, habe auch ich immer und immer mehr Muskeln aufgebaut. Auch heute kann ich Chatturangah nicht unbedingt lange halten und von einem Six-Pack bin ich immer noch weit entfernt. Aber gleichzeitig ist mein Körper in einer ziemlich gesunden Verfassung, ich habe stärkere Muskeln als je zuvor und kann meinem Donnerstagsflow hier in Dunedin jetzt problemlos folgen.

Wenn du Zweifel hast, ob du einer Yogalehrer Ausbildung körperlich gewachsen bist, dann überprüfe vor allem deine emotionale Stärke: Schaust du in deiner üblichen Yogapraxis viel nach rechts und links? Wie reagierst du in anderen Situationen, in denen du körperlich nicht mithalten kannst? Da ich seit dem Schulsport schon immer zu den Schwächsten und Langsamsten gehörte, habe ich über viele Jahre gelernt zu akzeptieren, dass meine körperliche Grenze vielleicht eine andere ist. Aber das heißt nicht, dass nicht auch ich diese Grenze immer wieder ein Stück verschieben kann. Zu Schulsportzeiten hätte ich und wahrscheinlich auch niemand sonst gedacht, dass ich mal einer zehntägigen Wanderung in den peruanischen Anden standhalten würde. Und genau so habe ich meine körperliche Grenze auf Yogaebene herausgeschoben. Zweifel an deiner körperlichen Verfassung kannst du also getrost zur Seite schieben. Denn wenn du eine regelmäßige Yogapraxis hast, dann kennst du diesen Satz bestimmt: “Child’s Pose is always an option”. Und der ist während einer Yogalehrer Ausbildung noch ein kleines bisschen wahrer als sonst.

Yogalehrer Ausbildung: Vorbereitung

Bevor du dich für eine Yogalehrer Ausbildung entschiedest, wirst du schnell feststellen, dass gerade ein Intensivtraining mit einer ziemlich großen persönlichen Weiterentwicklung verbunden wird. Aber emotional stabil wie ich mich vor meinem Training und nach 14 Monaten Weltreise gefühlt habe, dachte ich natürlich auch bei diesem Punkt, dass da bestimmt übertrieben wird. Aber – welch Überraschung – natürlich hat sich auch dieses Vorurteil als wahr herausgestellt.

Als ich mich für die Ausbildung angemeldet hatte, erreichte mich mit der ersten Mail auch eine Literaturliste. Neben sehr vielen Empfehlungen gab es zwei Bücher, die wir unbedingt dabei haben sollten: Yoga Anatomie* und einen Kommentar der Yoga Sutras von Patanjali*. Beide Bücher habe ich mir noch in Deutschland bestellt und dann auch ziemlich zügig durchgelesen. Und beim Lesen der Yoga Sutras erstmal festgestellt, wie sehr mich allein unsere Weltreise verändert hat, obwohl ich das bis dahin immer verneint hatte.

Yogalehrer Ausbildung Philosophie

Falls du mit den Yoga Sutras aktuell so gar nichts anfangen kannst, gibts hier eine klitzekleine Erklärung: Yoga ist eine jahrtausendealte Wissenschaft, die sehr lange Zeit ausschließlich mündlich weitergegeben wurde. Patanjali (über den es sehr viele spannende und widersprüchliche Geschichten gibt) hat schließlich zum ersten Mal systematische Wege niedergeschrieben, die zur Einheit von Körper, Geist und Seele führen. Seine Schrift besteht aus einzelnen Versen, die von vielen Yogameistern kommentiert und für die breitere Masse zugänglich gemacht wurden.

Und wie ich so eine Seite nach der anderen versuchte zu verstehen und zu verinnerlichen, machte es bereits das ein oder andere Mal Klick. Keine herausragenden Neuerungen in meinem Denken oder allgemein bekannten Weisheiten, sondern Dinge, die sich klammheimlich in den vergangenen Jahren in meinem Inneren verschoben hatten. Dass ich mehr Zeit für mich selbst und meine Wünsche und Ziele brauche, als mir mein letzter “richtiger” Job ermöglicht hatte. Dass ich mich zuerst um mich selbst kümmern muss, bevor ich anderen Menschen helfen kann. Dass ich ziemlich wenige materielle Dinge wirklich brauche. Dass ich bei Entscheidungen nur auf mich selbst hören sollte. Dass alle Gefühle legitim sind und es zuallererst einmal darum geht, sie zuzulassen, bevor man sie “verändern” kann. Und so war ich dann doch ziemlich gespannt, was ich in vier Wochen über mich selbst, andere Menschen und die Gesellschaft insgesamt lernen sollte.

Yogalehrer Ausbildung: Neue Freunde

Wie wir dann so tagtäglich zusammensaßen und die Yoga Sutras diskutierten, die unterschiedliche Yoga Wege, die Motivationen in unseren Lebensläufen und im Endeffekt auch uns selbst, war ich zuallererst einmal ziemlich beeindruckt und froh, so viele Gespräche führen zu dürfen, die ich im Alltag nur mit sehr wenigen Personen führen kann. Der Sinn des Lebens ist eben auch nicht unbedingt das passende Thema im einnehmenden Alltag zwischen Arbeit, Familie und Haushalt. Umso dankbarer war ich schon nach wenigen Tagen für diese Auszeit vom Alltag. Mit Menschen, die sich auch manchmal mehr Fragen stellen als andere.

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Überhaupt – die Fremden, die innerhalb kürzester Zeit zu Freunden wurden. So viele Emotionen und intensiven Erlebnisse, wie wir im Rahmen der Yogalehrer Ausbildung teilen durften, haben intensiv zusammengeschweißt. Dinge, die ich mit manchen Freunden erst nach Jahren geteilt habe, waren nach den ersten emotionalen Ausbrüchen hier ganz selbstverständlich. Da unsere Gruppe ziemlich übersichtlich war, habe ich nach nur vier Wochen das Gefühl, jeden einzelnen Teilnehmer (natürlich nur bis zu einem gewissen Grad) tatsächlich zu kennen. Das erste Mal Klangtherapie, die erste Nasendusche, die ersten geteilten Tränen, das erste Mal unterrichten, das erste Erdbeben und der viele Schweiß bleiben zwischenmenschlich eben nicht unbemerkt. Und so bin ich nach vier Wochen nicht nur mit einem Yogalehrer Zertifikat in der Tasche, sondern auch mit Freunden auf vier Kontinenten und einem italienischen Reuniontraum nach Hause geflogen.

Yogalehrer Ausbildung: Ein persönliches Abenteuer

Neben den Menschen, die ich jetzt zu meinen Freunden zählen darf, habe ich auch mit einer anderen Person Frieden geschlossen: mit mir selbst. Seit ich volljährig geworden bin, habe ich mich in einem ständigen, mal mehr, mal weniger intensiven Kampf mit mir selbst befunden. Nichts tragisches natürlich, nur die pochende Frage, was denn nun meine Aufgabe im Leben ist. Ein Studium, für das ich mich insbesondere im Nachhinein betrachtet, wenig begeistern konnte. Das ich aber nie aufgegeben habe, weil mir die Alternativen fehlten und der finanzielle Aspekt dann doch ganz verlockend war. Jobs, in denen ich gute Arbeit ablieferte, in denen ich mich aber nach einer gewissen Zeit immer gefragt habe, ob ich denn hier wirklich etwas (zum Guten) verändere. Und immer auch die andere Seite der Medaille: Dass all diese Gedanken zuallererst First-World-Problems sind, dass ich eigentlich auch oft zufrieden war, mit dem Leben, in dem ich mich dann irgendwann eingerichtet hatte.

Trotzdem ließen mich die Gedanken nie in Ruhe, wo ich hinwollte im Leben, wie ich meine Reisewünsche bezahlen könnte und ganz Allgemein: die Zukunft. Ganz selten habe ich mal in der Gegenwart gelebt. Die meiste Zeit beschäftigte ich mich damit, was ich in meiner Vergangenheit gerne ändern würde oder was ich in Zukunft anders machen wollte, wo meine Bestimmung liegt und wie ich die erreichen könnte.

Die erste gedankliche Veränderung spürte ich bereits auf Weltreise. Nachdem ich nach einigen Wochen in unserem Weltreisealltag angekommen war, lebte ich so viel mehr im Hier und Jetzt. Auch wenn wir immer mal von Bekannten, Familie und Freunden damit konfrontiert wurden, wie es nach der Reise weitergehen würde, konnte ich die Zukunftssorgen sehr gut abschalten. Das Reisen lehrte mich, wie schnell sich Pläne ändern können und wie sehr jeder einzelne Moment zählt. Und so setzte irgendwann eine gewisse Zuversicht ein. Ich wusste, dass es auch nach dem Reisen irgendwie weitergehen würde und dass wir im “schlimmsten” Fall immer in unser altes Leben zurück konnten.

Mit der Vergangenheit sah es dagegen ein bisschen anders aus. Rein mental gesehen war mir schon lange vor unserem ersten Reisetag klar, dass eine Weltreise für mich niemals in Reichweite gelangt wäre, wenn ich nicht diesen Job gehabt hätte. Ein Job, der es mir in Kombination mit einer verhältnismäßig sparsamen Lebensweise ermöglichte, innerhalb von zwei Jahren mehr als 20.000 Euro nur zum Reisen anzusparen. Einen Job, den ich auch nur hatte, weil ich mein Studium eben nicht abgebrochen hatte. Und trotzdem war da immer diese Unzufriedenheit mit meinem jüngeren Ich, das nicht mutiger gewesen ist. Auf Reisen, umgeben von so vielen neuen Eindrücken, konnte ich die Gedanken dann irgendwann beiseite schieben. Meine Einstellung dazu konnte ich allerdings nicht ändern.

Und als dann ziemlich pünktlich zu unserer Ankunft in Deutschland eine saftige Rechnung mit ausstehenden Studiengebühren in mein Postfach flatterte, merkte ich, dass ich die Unzufriedenheit mit meinem Vergangenheits-Ich vielleicht zeitweise überdecken konnte, dass das aber nicht den Frieden ersetzt, den ich mit meinen zurückliegenden Entscheidungen machen muss.

Yoga Veränderung

Nach ca. der Hälfte unserer Yogalehrer Ausbildung wurden wir von unseren Lehrern überrascht und sollten ganz spontan, einer nach dem anderen, einen Sonnengruß vor unserer Gruppe unterrichten. Was irgendwie aufregend und irgendwie ganz natürlich war, war für mich ein echter Augenöffner. Statt wie in den vorhergehenden Jahren kaum ein Wort vor einer größeren Gruppe herauszubringen, konnte ich es trotz aller Nervosität genießen, ein klitzekleines bisschen Wissen an andere Menschen weiterzugeben. Als ich dann sogar noch positives Feedback von Lehrern und Mitstudenten bekam, merkte ich, dass ich hier vielleicht doch ein Tool gefunden habe, das ein bisschen meine “Aufgabe”, ganz gleich in welchem Umfang, werden könnte.

Mit jedem Tag fühlte ich mich wohler in meiner Haut. Und als wir dann ein letztes Mal im Kreis zusammensaßen und unsere schönsten und anstrengendsten Erlebnisse der letzten Wochen teilten, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war endlich okay mit allen Entscheidungen, die ich in der Vergangenheit getroffen hatte. Der Groll, den ich gegenüber meiner ängstlichen jüngeren Version hegte, war irgendwann in dieser Yogalehrer Ausbildung einfach so verflogen.

Yogalehrer Ausbildung: Fazit

Wenn du also auch überlegst, dich in eine Yogalehrer Ausbildung zu stürzen, dann nimm die intensive Zeit weder körperlich noch emotional auf die leichte Schulter. Aber gleichzeitig rate ich dir auch: Mach dir nicht zu viele Gedanken. Egal, ob du Yogalehrer werden oder dir selbst ein Stück näher kommen willst, am Ende bekommst du ganz bestimmt das Gesamtpaket. Und so kann ich jetzt nicht nur staunend auf 14 Monate Weltreise zurückschauen, sondern auch auf sechs Wochen Bali, in denen ich zum ersten Mal für längere Zeit allein unterwegs war, neue Freunde fürs Leben gefunden habe und mir selbst ein ganzes Stück näher gekommen bin. Wenn du also bereit bist für ein Abenteuer auf allen Ebenen, dann melde dich unbedingt für deine Yogalehrer Ausbildung an.


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